Samstag, 7. September 2013
My heart is in the Highlands - Part 2
blaupause7, 20:18h
⌂⌂⌂ Unsere Reise vom 14.8. bis 13.9.2008 nach Schottland (und England) …
⌂⌂⌂ … führte uns in mehreren Etappen, entgegen des Uhrzeigersinns einmal rund um die britische Insel. Die Anreise habe ich ausführlich beschrieben. Daher folgt nun der zweite Teil: Kapitel 2 ~ 15.8.-20.8.08: Edinburgh.
Die Fotos stammen von mir (Handy) und von meinem Mann (Kamera).
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Vom 15. bis 20.8.08 wohnten wir privat, in einem südlichen Stadtteil von Edinburgh und verpflegten uns selbst.
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16.8.08: Samstag ~ Edinburgh Military Tattoo
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Was macht man den lieben langen Tag, wenn die Veranstaltung, die man besuchen möchte, erst spät am Abend beginnt? Man geht shoppen oder begibt sich auf Sightseeing-Tour. Nun, wir verbinden beides zu einem vergnüglichen, aber auch anstrengenden Programm, das so aussieht: Nach einem ausgiebigen Frühstück schwingen wir uns in den Bus und erreichen nach 20 Minuten Fahrt das Zentrum, wo wir als erstes Highlight den Farmer's Market, zu Füßen des Edinburgh Castles, besuchen.
Hier kommen jeden ersten und dritten Samstag im Monat die unterschiedlichsten Markthändler zusammen und preisen ihre meist organischen Waren an. Egal ob Bier, Käse, Fisch, Gemüse oder Obst: das Angebot ist groß und interessant, aber überschaubar. Gerne nähme ich mir ein Schälchen Himbeeren mit, aber die sind mir zu teuer; statt dessen kaufe ich mir lieber ein Fläschchen Bier, Porter von der Black Isle Brewery, und trinke zur Entspannung einen Kaffee, den es an einem Verkaufsstand von Torchwood gibt - dem einzigen mit Alien Technology.


Fans der Fernsehserien „Doctor Who“ und „Torchwood“ wissen, was ich meine – wer beide nicht kennt, kann diese Bilder getrost ignorieren.
Wie praktisch, dass wir es von dort aus nicht weit zu dem Friedhof von St. Cuthbert haben, der im 17. Jahrhundert entstanden ist und auf dem es noch heute einige sehr schöne Steinmetzarbeiten zu sehen gibt.

Wenn die Sonne ihren Weg durch die Äste der alten Bäume findet, entsteht so eine seltsam verzauberte Stimmung.
Als weniger stimmungsvoll empfinde ich jedoch den Arts-and-Crafts-Markt, der seine Zelte über mehrere Wochen hinweg auf einem Teil des Friedhofs aufgeschlagen hat. Kunst und Krempel findet in diesem Zusammenhang eben nicht jeder pietätvoll, und aus diesem Grund sehen wir auch zu, dass wir mit unserem Tagesprogramm unverzüglich fortfahren.
Wir wollen uns nämlich noch ein paar Läden auf der Royal Mile anschauen, die wir uns aus einem Reiseführer herausgepickt hatten, weil sie uns so interessant erschienen: das Whisky Heritage Centre (in der Nähe der Burg), einen Laden für Dudelsäcke am anderen Ende der Royal Mile, einen Käseladen in der Victoria Street (auf halber Höhe der Royal Mile); und einen Kaffee wollen wir auch noch trinken.
Wegen der Menschenmassen auf der Royal Mile ist das Vorwärtskommen gar nicht so einfach, ein Umstand, der uns noch in den folgenden Tagen vor logistische Probleme stellen soll. Doch zurück zu unserem Shoppingausflug.
Wir erstehen tatsächlich ein Startset zum Erlernen des Dudelsackspielens, bestehend aus einer Flöte (dem Chanter), einem Büchlein mit Noten und einer Übungs-DVD. Bevor man zu einem vollständigen Dudelsack greift, für den man eine vierstellige Summe berappen darf, sollte man das Spielen auf dem Chanter beherrschen. Schau'n wir mal, wie weit wir damit kommen, denn leicht ist das Spielen nicht - man muß ganz schön tief Luft holen, wie ein Test vor Ort bewies.
Nach soviel Kraftanstrengung ist nun endlich der Kaffee fällig. Und o Wunder: wir finden tatsächlich das Café wieder, in dem wir es uns vor sieben Jahren bei unserem ersten gemeinsamen Edinburgh-Besuch schon einmal gemütlich gemacht hatten und bestellen uns im Gedenken an diese schöne Zeit eine heiße Schokolade mit Marshmallows oben drauf. Dann fahren wir zurück in unser Haus, verstauen die Einkäufe, essen eine Kleinigkeit, bevor wir gegen 20 Uhr erneut in die Stadt aufbrechen, denn nun ist es endlich soweit: das Military Tattoo rückt unaufhaltsam näher.
Zuvor noch einen Drink in der Rose Street genommen, dann kann es auch schon losgehen. Einlaß ist um 21.45 Uhr, aber es empfiehlt sich, früh genug da zu sein. Wir dürfen auch nicht einfach zur Burg hinauf schlendern, sondern werden von Sicherheitsleuten in eine lange Warteschlange eingewiesen, die sich um die erste Kirche im oberen Teil der Royal Mile herumwindet. Wir landen im vorderen Drittel und haben daher noch relativ viel Glück.
Irgendwann fällt dann auch der Startschuß, und der ganze Pulk bewegt sich en Bloc. Dann geht alles ganz reibungslos, und wir finden unsere Plätze ohne Probleme. Von nun an aber bewegt man sich nach Möglichkeit nicht mehr, denn man sitzt hier eingepfercht, wie die Hühner auf der Stange und kann nachvollziehen, wie sich eine Sardine in der Büchse fühlt. Aber wenigstens haben wir keine Köpfe vor uns. Die nächsten eineinhalb Stunden vergehen wie im Fluge, und wir können eine Musik- und Tanzdarbietung nach der anderen Bewundern.
Zu den Highlights zählen für uns der Auftritt der Gruppe aus Singapur, die teilweise in traditionelle fernöstliche Kostüme gewandet sind und ein Fabelwesen (eine Mischung aus Löwe und Drache) mit dabei haben (natürlich stecken zwei Männer in diesem Tierkostüm) - und auch die Norweger sind nicht zu verachten, deren Auftritt von skifahrenden und fackelschwingenden Wikingern angekündigt wird. Wir hören jede Menge Pipes, Drums und natürlich Dudelsäcke - und zum Abschluß gibt es noch ein gigantisches Feuerwerk in den schillerndsten Farben. Doch dazu mehr in einem gesonderten Bericht mit ganz vielen Fotos, die alle mein Mann aufgenommen hat.
Nur die Heimreise mit dem Bus ist nicht ganz so nett. Bis dann endlich ein Nachtbus kommt, und der dann auch noch ewig unterwegs ist, vergeht viel Zeit. So viel Zeit, daß es zwei Uhr am Morgen wird, bis wir endlich daheim ankommen.
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17.8.08: Sonntag
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Wir geben uns dem Frühschoppen hin, denn wir haben das Brauhaus für uns entdeckt. Zuerst in einer alteingesessenen Bar mit wunderschönen, an Jugendstil angelehnten Fenstern - dann im Brauhaus (ja, das heißt wirklich so) - bevor wir uns aufmachen, um den Botanischen Garten zu erkunden, dort, wo nicht nur die Blümelein blau sind (kleiner Scherz). Nein, der Grund ist ganz einfach: das Brauhaus bietet unzählige Biere aus aller Herren Länder an, zum Teil mit den absonderlichsten Namen, wie z.B. Delirium Nocturnum, Judas, Lucifer oder Duvel (je 8,5%).
Da ich schon immer einmal das weltberühmte belgische Trappistenbier probieren wollte, habe ich hier natürlich eine große Auswahl, und so entscheide ich mich für ein Orval (6,2%), das in einem Glaskelch, ähnlich den Gläsern für Champagnercocktail, serviert wird. Gut, dass ich mich zu Beginn unseres Nachmittags noch nicht für das weitaus stärkere Rochefort 8 entschieden hatte, denn mit 9,2% Alkoholgehalt hätte es mich zartes Persönchen doch glatt aus den Pantinen gehauen.
Da ist es ja gut, daß sich der Besucherandrang im Botanischen Garten - für den wir übrigens keinen Eintritt bezahlen müssen - stark in Grenzen hält, vermutlich drängt sich die Mehrheit auf dem Fringe-Festival, das gleichzeitig mit dem Tattoo, der Book Fair, der Arts & Crafts Fair und dem Jazz & Blues Festival stattfindet.
Daher kann ich Edinburgh im August wegen der Menschenmassen nun wahrlich keinem empfehlen. Und wie bei uns zur Messe, werden zu Festivalzeiten sämtliche Preise im Allgemeinen saftig angehoben, und im Stadtzentrum ganz beonders. Darum suchen wir uns ein japanisches Restaurant aus, das nicht ganz so zentral liegt, und bestellen uns eine Vorspeise und zwei Sushi-Platten mit Miso-Suppe, für die wir mit Getränken knapp £ 30,-- bezahlen.
Zum Abschluß des Abends geht es dann nochmals ins Brauhaus. Dort probiere ich dann ein Trappiste Rochefort 6 (7,5%) und Andy ein Kasteel Bruin (Tripel), an das ich mich aber nun wirklich nicht mehr herangewagt hätte, denn es hat immerhin 11% Alkohol.
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18.8.08: Montag
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Nach einem umfangreichen English Breakfast fahren wir ins Umland, auf der Suche nach der durch den Film "The Da Vinci Code" bekannt gewordenen Rosslyn Chapel. Für £ 7,50 Eintritt hätten wir die dauerhaft unter einem Gerüst verborgene Kapelle mit ihren laut Reiseführer äußerst kunstvollen Steinmetzarbeiten im Inneren besichtigen können - aber nicht fotografieren dürfen. Mit uns nicht!


Resultat: Wir ärgern uns erst einmal über diese Abzocke, schlendern dann aber über den sehr hübschen Friedhof und lassen die märchenhafte Stimmung auf uns wirken, kehren dieser Touristenfalle den Rücken und fahren weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit: New Lanark, das mittlerweile zum Welterbe der UNESCO gehört.
Doch leider geraten wir in einen Platzregen, und da dieser überhaupt kein Ende mehr zu nehmen droht, ändern wir unser Programm und fahren zurück nach Edinburgh. Wo kaufen wir denn nun als nächstes ein? Es gibt da nämlich noch so einige Läden, die laut Reiseführer ein ganz besonderes Angebot haben. Ausgezeichneten Käse soll es zum Beispiel auf der Victoria Street geben,


Für den Erwerb von köstlichem Süßkram wäre die St.Mary's Street unser nächstes Ziel, und der Delikatessenladen schlechthin soll in der Nähe der Bruntsfield Links zu finden sein. Um all diese Adressen abzugrasen, müssten wir sehr viel Zeit mitbringen und gut zu Fuß sein.
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19.8.08: Dienstag
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Heute realisieren wir unsere am Vortag getroffenen Einkaufspläne. Käse steht auf dem Einkaufszettel - und gegen Süßigkeiten haben wir auch nichts einzuwenden, der Urlaub ist ja noch lang. Doch zuvor knipsen wir noch einen 5000 Jahre alten Stein, dessen Name Pate für mehrere Straßen in unserem Stadtviertel steht: den Cayistane.

Danach fahren wir mit dem Bus in die Stadt. Doch halt! Zuerst unterbrechen wir die spannende Fahrt für einen Spaziergang durch den Braidburn Valley Park, der schon zweimal einen Preis für den schönsten Park gewonnen hat. Nur leider haben irgendwelche hirnlosen Idioten den Preis, eine Ehrenfahne, nachts heimlich geklaut, und nun überlegt sich die Gemeinde, ob sie überhaupt noch eine Fahne hissen möchten. Wie doof kann man überhaupt sein?!
Fehlt nur noch, dass irgendein dahergelaufener Experte daherkommt und auch noch den tonnenschweren Sore Stone in der Nähe des Church Hill Theaters, ähnlich alt wie der Cayistane, bei Nacht und Nebel abtransportiert.

Aber genug geärgert - amüsieren wir uns lieber. Und nichts leichter als das als bei einer der vielen "Underground Experiences", die von verschiedenen Veranstaltern dem staunenden Publikum offeriert werden. Wir entscheiden uns für eine 50 Minuten dauernde Tour hinein in die Tiefen der Altstadt, denn Edinburgh ist auf Brücken erbaut.
Und diese Brücken ziehen sich über mehrere Stockwerke hinab unter Tage, wo wir erfahren, daß in früheren Zeiten Obdachlosigkeit als Verbrechen galt und aus diesem Grund die Ärmsten der armen irischen Einwanderer in den licht- und frischluftlosen Kellergewölben nächtlichen Unterschlupf fanden, eingepfercht wie in einer Sardinenbüchse und Krankheiten und Verbrechen unmittelbar ausgeliefert.
Eine Feuersbrunst in der Altstadt von Edinburgh besiegelte dann das Todesurteil für diese armen Menschen, da die Ausgänge durch herabstürzende Trümmer versperrt war und die enorme Hitze dafür sorgte, dass man in den Vaults förmlich geröstet wurde.
Unsere nette Fremdenführerin namens Jennifer zeigt uns unter anderem auch in den Vaults einen "echten" Wicca-Tempel, der angeblich heute noch genutzt wird. Aber ich bin mir sicher: das Gewölbe wurde nur für die Touristen so wirkungsvoll hergerichtet. Sollten sich hier unten wirklich Wiccaner versammeln, dann wäre ihr Treffpunkt zum einen gewiß nicht an einer solch exponierten Stelle und zum anderen auch nicht das Abbild der Wohnstube eines Klischeegruftis.
Aber unterhaltsam ist diese Show allemal, danach flanieren wir noch ein wenig durch die Stadt; leckeren Käse haben wir ja schon gekauft, nun fehlen nur noch die Süßigkeiten, aber den Süßwarenladen aus unserem Reiseführer finden wir nicht mehr; dafür aber eine Schottlandflagge, mit der wir unser Wochenendhäuschen verschönern könnten.
Bleibt nur noch der Delikatessenladen am Bruntsfield Place, bei dem wir Chutneys und Haggis kaufen. Allerdings muß ich dazu sagen, dass ich mir den Laden eher im Stil von Dallmayr, so wie ich das Münchner Traditionshaus aus der Werbung kenne, vorgestellt hatte.
Der Einkauf gestaltet sich jedoch eher unspektakulär, denn der Großteil der Verkaufsfläche wird von Regalen eingenommen, bei denen Selbstbedienung angesagt ist. Dann gibt es noch eine Verkaufstheke für Fleischwaren und Käse, und in einem anderen Bereich des Ladens eine separate Ecke für Spirituosen. Insgesamt haben wir vermutlich zwar zu teuer eingekauft, aber wenigstens schmeckt der Kaffee, der hier ausgeschenkt wird, gut.
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20.8.08: Mittwoch ~ Edinburgh - Dufftown
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Um halb zehn brechen wir auf, werfen die Hausschlüssel durch den Briefkastenschlitz in der Tür und machen uns auf die Reise zu unserem nächsten Ziel: Dufftown. Doch dazu mehr in Kapitel 3.
⌂⌂⌂ … führte uns in mehreren Etappen, entgegen des Uhrzeigersinns einmal rund um die britische Insel. Die Anreise habe ich ausführlich beschrieben. Daher folgt nun der zweite Teil: Kapitel 2 ~ 15.8.-20.8.08: Edinburgh.
Die Fotos stammen von mir (Handy) und von meinem Mann (Kamera).
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Vom 15. bis 20.8.08 wohnten wir privat, in einem südlichen Stadtteil von Edinburgh und verpflegten uns selbst.
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16.8.08: Samstag ~ Edinburgh Military Tattoo
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Was macht man den lieben langen Tag, wenn die Veranstaltung, die man besuchen möchte, erst spät am Abend beginnt? Man geht shoppen oder begibt sich auf Sightseeing-Tour. Nun, wir verbinden beides zu einem vergnüglichen, aber auch anstrengenden Programm, das so aussieht: Nach einem ausgiebigen Frühstück schwingen wir uns in den Bus und erreichen nach 20 Minuten Fahrt das Zentrum, wo wir als erstes Highlight den Farmer's Market, zu Füßen des Edinburgh Castles, besuchen.
Hier kommen jeden ersten und dritten Samstag im Monat die unterschiedlichsten Markthändler zusammen und preisen ihre meist organischen Waren an. Egal ob Bier, Käse, Fisch, Gemüse oder Obst: das Angebot ist groß und interessant, aber überschaubar. Gerne nähme ich mir ein Schälchen Himbeeren mit, aber die sind mir zu teuer; statt dessen kaufe ich mir lieber ein Fläschchen Bier, Porter von der Black Isle Brewery, und trinke zur Entspannung einen Kaffee, den es an einem Verkaufsstand von Torchwood gibt - dem einzigen mit Alien Technology.


Fans der Fernsehserien „Doctor Who“ und „Torchwood“ wissen, was ich meine – wer beide nicht kennt, kann diese Bilder getrost ignorieren.
Wie praktisch, dass wir es von dort aus nicht weit zu dem Friedhof von St. Cuthbert haben, der im 17. Jahrhundert entstanden ist und auf dem es noch heute einige sehr schöne Steinmetzarbeiten zu sehen gibt.

Wenn die Sonne ihren Weg durch die Äste der alten Bäume findet, entsteht so eine seltsam verzauberte Stimmung.
Als weniger stimmungsvoll empfinde ich jedoch den Arts-and-Crafts-Markt, der seine Zelte über mehrere Wochen hinweg auf einem Teil des Friedhofs aufgeschlagen hat. Kunst und Krempel findet in diesem Zusammenhang eben nicht jeder pietätvoll, und aus diesem Grund sehen wir auch zu, dass wir mit unserem Tagesprogramm unverzüglich fortfahren.
Wir wollen uns nämlich noch ein paar Läden auf der Royal Mile anschauen, die wir uns aus einem Reiseführer herausgepickt hatten, weil sie uns so interessant erschienen: das Whisky Heritage Centre (in der Nähe der Burg), einen Laden für Dudelsäcke am anderen Ende der Royal Mile, einen Käseladen in der Victoria Street (auf halber Höhe der Royal Mile); und einen Kaffee wollen wir auch noch trinken.
Wegen der Menschenmassen auf der Royal Mile ist das Vorwärtskommen gar nicht so einfach, ein Umstand, der uns noch in den folgenden Tagen vor logistische Probleme stellen soll. Doch zurück zu unserem Shoppingausflug.
Wir erstehen tatsächlich ein Startset zum Erlernen des Dudelsackspielens, bestehend aus einer Flöte (dem Chanter), einem Büchlein mit Noten und einer Übungs-DVD. Bevor man zu einem vollständigen Dudelsack greift, für den man eine vierstellige Summe berappen darf, sollte man das Spielen auf dem Chanter beherrschen. Schau'n wir mal, wie weit wir damit kommen, denn leicht ist das Spielen nicht - man muß ganz schön tief Luft holen, wie ein Test vor Ort bewies.
Nach soviel Kraftanstrengung ist nun endlich der Kaffee fällig. Und o Wunder: wir finden tatsächlich das Café wieder, in dem wir es uns vor sieben Jahren bei unserem ersten gemeinsamen Edinburgh-Besuch schon einmal gemütlich gemacht hatten und bestellen uns im Gedenken an diese schöne Zeit eine heiße Schokolade mit Marshmallows oben drauf. Dann fahren wir zurück in unser Haus, verstauen die Einkäufe, essen eine Kleinigkeit, bevor wir gegen 20 Uhr erneut in die Stadt aufbrechen, denn nun ist es endlich soweit: das Military Tattoo rückt unaufhaltsam näher.
Zuvor noch einen Drink in der Rose Street genommen, dann kann es auch schon losgehen. Einlaß ist um 21.45 Uhr, aber es empfiehlt sich, früh genug da zu sein. Wir dürfen auch nicht einfach zur Burg hinauf schlendern, sondern werden von Sicherheitsleuten in eine lange Warteschlange eingewiesen, die sich um die erste Kirche im oberen Teil der Royal Mile herumwindet. Wir landen im vorderen Drittel und haben daher noch relativ viel Glück.
Irgendwann fällt dann auch der Startschuß, und der ganze Pulk bewegt sich en Bloc. Dann geht alles ganz reibungslos, und wir finden unsere Plätze ohne Probleme. Von nun an aber bewegt man sich nach Möglichkeit nicht mehr, denn man sitzt hier eingepfercht, wie die Hühner auf der Stange und kann nachvollziehen, wie sich eine Sardine in der Büchse fühlt. Aber wenigstens haben wir keine Köpfe vor uns. Die nächsten eineinhalb Stunden vergehen wie im Fluge, und wir können eine Musik- und Tanzdarbietung nach der anderen Bewundern.
Zu den Highlights zählen für uns der Auftritt der Gruppe aus Singapur, die teilweise in traditionelle fernöstliche Kostüme gewandet sind und ein Fabelwesen (eine Mischung aus Löwe und Drache) mit dabei haben (natürlich stecken zwei Männer in diesem Tierkostüm) - und auch die Norweger sind nicht zu verachten, deren Auftritt von skifahrenden und fackelschwingenden Wikingern angekündigt wird. Wir hören jede Menge Pipes, Drums und natürlich Dudelsäcke - und zum Abschluß gibt es noch ein gigantisches Feuerwerk in den schillerndsten Farben. Doch dazu mehr in einem gesonderten Bericht mit ganz vielen Fotos, die alle mein Mann aufgenommen hat.
Nur die Heimreise mit dem Bus ist nicht ganz so nett. Bis dann endlich ein Nachtbus kommt, und der dann auch noch ewig unterwegs ist, vergeht viel Zeit. So viel Zeit, daß es zwei Uhr am Morgen wird, bis wir endlich daheim ankommen.
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17.8.08: Sonntag
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Wir geben uns dem Frühschoppen hin, denn wir haben das Brauhaus für uns entdeckt. Zuerst in einer alteingesessenen Bar mit wunderschönen, an Jugendstil angelehnten Fenstern - dann im Brauhaus (ja, das heißt wirklich so) - bevor wir uns aufmachen, um den Botanischen Garten zu erkunden, dort, wo nicht nur die Blümelein blau sind (kleiner Scherz). Nein, der Grund ist ganz einfach: das Brauhaus bietet unzählige Biere aus aller Herren Länder an, zum Teil mit den absonderlichsten Namen, wie z.B. Delirium Nocturnum, Judas, Lucifer oder Duvel (je 8,5%).
Da ich schon immer einmal das weltberühmte belgische Trappistenbier probieren wollte, habe ich hier natürlich eine große Auswahl, und so entscheide ich mich für ein Orval (6,2%), das in einem Glaskelch, ähnlich den Gläsern für Champagnercocktail, serviert wird. Gut, dass ich mich zu Beginn unseres Nachmittags noch nicht für das weitaus stärkere Rochefort 8 entschieden hatte, denn mit 9,2% Alkoholgehalt hätte es mich zartes Persönchen doch glatt aus den Pantinen gehauen.
Da ist es ja gut, daß sich der Besucherandrang im Botanischen Garten - für den wir übrigens keinen Eintritt bezahlen müssen - stark in Grenzen hält, vermutlich drängt sich die Mehrheit auf dem Fringe-Festival, das gleichzeitig mit dem Tattoo, der Book Fair, der Arts & Crafts Fair und dem Jazz & Blues Festival stattfindet.
Daher kann ich Edinburgh im August wegen der Menschenmassen nun wahrlich keinem empfehlen. Und wie bei uns zur Messe, werden zu Festivalzeiten sämtliche Preise im Allgemeinen saftig angehoben, und im Stadtzentrum ganz beonders. Darum suchen wir uns ein japanisches Restaurant aus, das nicht ganz so zentral liegt, und bestellen uns eine Vorspeise und zwei Sushi-Platten mit Miso-Suppe, für die wir mit Getränken knapp £ 30,-- bezahlen.
Zum Abschluß des Abends geht es dann nochmals ins Brauhaus. Dort probiere ich dann ein Trappiste Rochefort 6 (7,5%) und Andy ein Kasteel Bruin (Tripel), an das ich mich aber nun wirklich nicht mehr herangewagt hätte, denn es hat immerhin 11% Alkohol.
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18.8.08: Montag
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Nach einem umfangreichen English Breakfast fahren wir ins Umland, auf der Suche nach der durch den Film "The Da Vinci Code" bekannt gewordenen Rosslyn Chapel. Für £ 7,50 Eintritt hätten wir die dauerhaft unter einem Gerüst verborgene Kapelle mit ihren laut Reiseführer äußerst kunstvollen Steinmetzarbeiten im Inneren besichtigen können - aber nicht fotografieren dürfen. Mit uns nicht!


Resultat: Wir ärgern uns erst einmal über diese Abzocke, schlendern dann aber über den sehr hübschen Friedhof und lassen die märchenhafte Stimmung auf uns wirken, kehren dieser Touristenfalle den Rücken und fahren weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit: New Lanark, das mittlerweile zum Welterbe der UNESCO gehört.
Doch leider geraten wir in einen Platzregen, und da dieser überhaupt kein Ende mehr zu nehmen droht, ändern wir unser Programm und fahren zurück nach Edinburgh. Wo kaufen wir denn nun als nächstes ein? Es gibt da nämlich noch so einige Läden, die laut Reiseführer ein ganz besonderes Angebot haben. Ausgezeichneten Käse soll es zum Beispiel auf der Victoria Street geben,


Für den Erwerb von köstlichem Süßkram wäre die St.Mary's Street unser nächstes Ziel, und der Delikatessenladen schlechthin soll in der Nähe der Bruntsfield Links zu finden sein. Um all diese Adressen abzugrasen, müssten wir sehr viel Zeit mitbringen und gut zu Fuß sein.
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19.8.08: Dienstag
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Heute realisieren wir unsere am Vortag getroffenen Einkaufspläne. Käse steht auf dem Einkaufszettel - und gegen Süßigkeiten haben wir auch nichts einzuwenden, der Urlaub ist ja noch lang. Doch zuvor knipsen wir noch einen 5000 Jahre alten Stein, dessen Name Pate für mehrere Straßen in unserem Stadtviertel steht: den Cayistane.

Danach fahren wir mit dem Bus in die Stadt. Doch halt! Zuerst unterbrechen wir die spannende Fahrt für einen Spaziergang durch den Braidburn Valley Park, der schon zweimal einen Preis für den schönsten Park gewonnen hat. Nur leider haben irgendwelche hirnlosen Idioten den Preis, eine Ehrenfahne, nachts heimlich geklaut, und nun überlegt sich die Gemeinde, ob sie überhaupt noch eine Fahne hissen möchten. Wie doof kann man überhaupt sein?!
Fehlt nur noch, dass irgendein dahergelaufener Experte daherkommt und auch noch den tonnenschweren Sore Stone in der Nähe des Church Hill Theaters, ähnlich alt wie der Cayistane, bei Nacht und Nebel abtransportiert.

Aber genug geärgert - amüsieren wir uns lieber. Und nichts leichter als das als bei einer der vielen "Underground Experiences", die von verschiedenen Veranstaltern dem staunenden Publikum offeriert werden. Wir entscheiden uns für eine 50 Minuten dauernde Tour hinein in die Tiefen der Altstadt, denn Edinburgh ist auf Brücken erbaut.
Und diese Brücken ziehen sich über mehrere Stockwerke hinab unter Tage, wo wir erfahren, daß in früheren Zeiten Obdachlosigkeit als Verbrechen galt und aus diesem Grund die Ärmsten der armen irischen Einwanderer in den licht- und frischluftlosen Kellergewölben nächtlichen Unterschlupf fanden, eingepfercht wie in einer Sardinenbüchse und Krankheiten und Verbrechen unmittelbar ausgeliefert.
Eine Feuersbrunst in der Altstadt von Edinburgh besiegelte dann das Todesurteil für diese armen Menschen, da die Ausgänge durch herabstürzende Trümmer versperrt war und die enorme Hitze dafür sorgte, dass man in den Vaults förmlich geröstet wurde.
Unsere nette Fremdenführerin namens Jennifer zeigt uns unter anderem auch in den Vaults einen "echten" Wicca-Tempel, der angeblich heute noch genutzt wird. Aber ich bin mir sicher: das Gewölbe wurde nur für die Touristen so wirkungsvoll hergerichtet. Sollten sich hier unten wirklich Wiccaner versammeln, dann wäre ihr Treffpunkt zum einen gewiß nicht an einer solch exponierten Stelle und zum anderen auch nicht das Abbild der Wohnstube eines Klischeegruftis.
Aber unterhaltsam ist diese Show allemal, danach flanieren wir noch ein wenig durch die Stadt; leckeren Käse haben wir ja schon gekauft, nun fehlen nur noch die Süßigkeiten, aber den Süßwarenladen aus unserem Reiseführer finden wir nicht mehr; dafür aber eine Schottlandflagge, mit der wir unser Wochenendhäuschen verschönern könnten.
Bleibt nur noch der Delikatessenladen am Bruntsfield Place, bei dem wir Chutneys und Haggis kaufen. Allerdings muß ich dazu sagen, dass ich mir den Laden eher im Stil von Dallmayr, so wie ich das Münchner Traditionshaus aus der Werbung kenne, vorgestellt hatte.
Der Einkauf gestaltet sich jedoch eher unspektakulär, denn der Großteil der Verkaufsfläche wird von Regalen eingenommen, bei denen Selbstbedienung angesagt ist. Dann gibt es noch eine Verkaufstheke für Fleischwaren und Käse, und in einem anderen Bereich des Ladens eine separate Ecke für Spirituosen. Insgesamt haben wir vermutlich zwar zu teuer eingekauft, aber wenigstens schmeckt der Kaffee, der hier ausgeschenkt wird, gut.
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20.8.08: Mittwoch ~ Edinburgh - Dufftown
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Um halb zehn brechen wir auf, werfen die Hausschlüssel durch den Briefkastenschlitz in der Tür und machen uns auf die Reise zu unserem nächsten Ziel: Dufftown. Doch dazu mehr in Kapitel 3.
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